„Psychiatrie – Hilfe oder Tod?“ lautet der Name einer Ausstellung, die seit Mittwoch im Palais Palffy zu sehen ist. Organisiert wird sie von einer Scientology-nahen Gruppe. punkt beleuchtet die Hintergründe.
„Psychiater begehen eine unglaubliche Anzahl von Menschenrechtsverletzungen“ liest man auf der Homepage der "Bürgerkommission für Menschenrechte". Sie organisiert die Ausstellung. Kapitel für Kapitel klickt man sich von der grausamen Entstehungsgeschichte der Psychiatrie über die Verbindung zu Nationalsozialismus und Terrorismus bis zum „Töten von Kindern“: Psychiatrie wird mit Schrecken und Tod in Verbindung gebracht. Aber warum setzt sich ausgerechnet Scientology mit der angeblichen „Foltermethode Psychiatrie“ auseinander?

Demonstrierende Scientologen in Deutschland. (Bild: APA)
„Scientology beansprucht immer wieder, die einzig gültige Autorität für geistige Gesundheit zu sein“, erklärt Ilse Hruby im Gespräch mit punkt. In ihrem Buch „Meine Ehe mit einem Scientologen“ gibt sie Einblicke in die Organisation, von deren Praktiken sonst wenig nach außen dringt. „Sie sehen sich als Elite, die dazu bestimmt ist, die Welt vor einer totalitären Verschwörung zu retten. Die Psychiatrie ist dabei der Hauptfeind, weil sie die Bevölkerung manipuliere und kontrolliere.“
„Außerdem erhebt Scientology immer wieder den Anspruch, in körperlicher und seelischer Hinsicht therapeutisch wirksam zu sein“, sagt Hruby und verweist auf das Glaubensbekenntnis der Religionsgemeinschaft, das 1954 von L. Ron Hubbard verfasst wurde. Dort liest man: „Wir von der Kirche glauben, (...) dass das Studium des Verstandes und der geistig verursachten Krankheiten von Religion weder entfremdet noch in nichtreligiösen Gebieten geduldet werden sollte.“ Dies führe laut Hruby ultimativ zur Abschaffung der Wissenschaften der Psychologie und Psychiatrie.
German Müller von der Bundesstelle für Sektenfragen in Wien formuliert es im Gespräch mit punkt bewusst vorsichtig: „Möglicherweise meint L. Ron Hubbard, mit ‚Dianetik‘ eine bessere Methode gefunden zu haben, um Menschen zu helfen.“ Stark verkürzt funktioniere diese Methode laut Müller so: „Schmerzhafte Erlebnisse werden im sogenannten ‚reaktiven Verstand‘ gespeichert. Diese Erlebnisse, ‚Engramme‘ genannt, haben einen negativen Einfluss auf den ‚analytischen Verstand‘, mit dem wir Probleme lösen. Durch das von Hubbard entwickelte ‚Auditing‘ könne man diese Engramme auslöschen. Danach würde man perfekt funktionieren, wie ein Computer.“
Laut Homepage wurde die „Bürgerkommission für Menschenrechte“ 1969 von der Scientology – Kirche gegründet. Sie sieht sich als „Psychiatrie-Beobachtungsgruppe“. Die Ausstellung selbst hält Müller für problematisch: „Mit der Psychiatrie werden dort eine ganze Menge schrecklicher Bilder und Inhalte in Zusammenhang gebracht, die starke Ängste auslösen können. Das ist sicher keine zeit- und sachgerechte Darstellung dieser medizinischen Fachrichtung.“ Die „Bürgerkommission für Menschenrechte“ war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Das Zeichen von Scientology. (Bild: flickr.com)
Auffallend an Scientology sei, dass sich Menschen sehr schnell sehr stark dafür engagieren würden, sagt German Müller: „Persönliche Beziehungen können in den Hintergrund rücken. Zusätzlich geraten viele Menschen durch ihr Engagement auch an die Grenzen ihrer finanziellen Möglichkeiten.“
Die Ausstellung ist vom 26.11 bis zum 12.12 im Palais Palffy zu sehen. Die Zeiten sind Montag bis Freitag, 10 bis 20 Uhr, Samstag 10 bis 19 Uhr und Sonntag 13 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.
FACTBOX: Die „Church of Scientology“ wurde 1954 vom Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard gegründet. Sie hat in Österreich den Status eines Vereins, eigenen Angaben zufolge mit etwa 6000 Mitgliedern. Nach Angaben ehemaliger Mitglieder liegt die Zahl aber wohl um einiges niedriger: Sie sprechen von etwa 1000 Menschen, die sich für Scientology engagieren. In Deutschland steht Scientology unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. Die dortigen Bestrebungen, ein Verbotsverfahren einzuleiten, wurden am Freitag vergangener Woche eingestellt.
Links:
Homepage von Ilse Hruby
Homepage der Ausstellung