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Andreas Rossmeissl
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Beitrag online gestellt: Sonntag, 29. März 2009 20:04

Gezeichnete Literatur

Comics müssen nicht immer Schundhefte sein. In Graphic Novels werden ernste, oft tragische Geschichten mit Comicfiguren und Sprechblasen erzählt.

Art Spiegelman fasste das Unfassbare in Bilder. In Comic-Form erzählte er 1986 erstmals die Geschichte seines Vaters, eines Ausschwitzüberlebenden. In „Maus. A Survivor’s Tale“ sind die Juden Mäuse, die Nazis Katzen, die Polen Schweine und die Franzosen Frösche. Bis heute gilt „Maus“, das 1992 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, als eine der bedrückendsten Schilderungen des Holocaust, nicht zuletzt wegen seiner Form: „Maus“ ist ein „Graphic Novel“, eine Art Comic in Buchformat.

Bild: Flickr.com
(Bild: flickr.com)

„Mit dem Begriff ‚Graphic Novel‘ will man die gängigen Assoziationen vermeiden, die bei manchen Nicht-Comic-Lesern entstehen könnten, wenn das Wort ‚Comic‘ fällt. Also ‚infantil‘, ‚Schund‘ oder die Verbindung mit ausschließlich lustigen Comics à la Disney“, sagt Sebastian Broskwa im Gespräch mit punkt. Er betreibt die Homepage http://www.pictopia.at, die sich mit der Comic-Szene in Österreich beschäftigt und Comics online vertreibt. „‚Comic‘ ist eine vorbelastete und problematische Bezeichnung für das Medium des zeichnenden Erzählens. Graphic Novel soll suggerieren, dass es hier um ‚seriöse‘ beziehungsweise ‚literarische‘, gezeichnete Erzählungen geht. Ein weiteres Merkmal ist ein gewisser Umfang.“ Art Spiegelmans „Maus“ etwa hat 300 Seiten.

Einem größeren Publikum sind sie vor allem durch Verfilmungen bekannt: Sin City, 300 und zuletzt Watchmen waren große Erfolge an den Kinokassen. Sie alle basieren auf Graphic Novels. Was sie noch verbindet, ist eine extreme Düsterkeit. „Es gibt genügend Graphic Novels, die nicht düster sind“, sagt Leopold Maurer im Gespräch mit punkt. Er verdient sein Geld mit Comics und Illustrationen und hat vor wenigen Wochen den Graphic Novel „Miller & Pynchon“ veröffentlicht. „Das hängt mehr mit dem Medium zusammen. Spannungs- und actiongeladene Vorlagen eignen sich besser zum Verfilmen.“

Bild: leopoldmaurer.wordpress.com
(Bild: leopoldmaurer.wordpress.com

Die Verfilmungen seien eine „nette Sache“, so Maurer. Mit den Vorlagen hätten sie jedoch meist wenig zu tun. Zwei Stunden seien zu wenig Zeit, um die gesamte Geschichte zu erzählen. Filme wie Sin City, die sich sehr nahe an der Vorlage bewegten und auch dessen Bildsprache übernahmen, gefallen ihm weniger gut: „Ich fand Sin City langweilig. Außerdem soll es keine eins zu eins Kopie sein. Da kann ich gleich den Comic lesen.“ Es gebe jedoch auch gute Verfilmungen: „Persepolis“ etwa, ein autobiografischer Graphic Novel der in Frankreich lebenden Iranerin Marjane Satrapi. In ihrem Werk, das als einer der bekanntesten Graphic Novels gilt, verarbeitete sie ihre Erinnerungen an ihre Kindheit im Iran, wo sie die Revolution miterlebte. Die Zeichentrick-Verfilmung, bei der die Autorin selbst Regie führte, wurde 2007 auf den Filmfestspielen in Cannes präsentiert.

Bild: flickr.com
(Bild: flickr.com)

Während die Szene neben Frankreich auch in den USA und Japan groß ist, gibt es in Österreich nur den Luftschacht-Verlag, bei dem auch „Miller & Pynchon“ erschienen ist. Neben Leopold Maurer ist Nicolas Mahler einer der bekanntesten Autoren. Das jedoch weniger wegen seiner Graphic Novels, sondern mehr wegen seiner kurzen Comic-Strips und Illustrationen in Zeitungen und Zeitschriften. Die Szene in Österreich sieht er „hoffentlich im Aufstreben begriffen“, wie er zu punkt sagt. „Alltagsbeobachtungen genauso wie aus den Fingern gezogene Absurditäten“ seien seine Inspiration.

Leopold Maurer lässt sich vor allem von Büchern inspirieren. Die beiden grundverschiedenen Landvermesser Miller und Pynchon basieren auf den Autoren Henry Miller und Thomas Pynchon. Die Figur des Miller sei an den Autoren angelehnt, sagt Maurer, von Thomas Pynchon habe er die Idee, eine Geschichte über zwei Landvermesser zu schreiben. Dann habe er begonnen, seine Geschichte auszuformulieren, die Dialoge zu schreiben und die Dialoge in Zeichenform darzustellen. Das Schwierigste sei es, eine Geschichte zu schreiben, die in einem Fluss lesbar sei. „Die Geschichte muss durch die Zeichnungen unterstützt werden, es muss ein Gleichgewicht bestehen. Wenn die Geschichte langweilig ist, helfen auch großartige Zeichnungen nichts.“

Viele Superhelden-Verlage, wie etwa DC oder Marvel Comics, würden jetzt ihre Werke in dickeren Bänden gesammelt rausbringen und sie als Graphic Novels verkaufen, sagt Sebastian Broskwa. „Das tun die meisten Leute dann als Etikettenschwindel ab. Obwohl, an sich ist der Begriff „Graphic Novel“ selbst auch Etikettenschwindel. Denn es handelt sich ja doch nur um Comics...“

Links:

Leopold Maurer
Pictopia
Nicolas Mahler

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